Die Wehrmauer
Diese Stadtmauer ist heute noch gut als verstürzte Wallanlage im Gelände erkennbar. Die Konstruktion derselben bestand aus einer massiven Reihe von blockbauartig zusammengefügten Holzkästen, die mit Erd- und Steinmaterial verfüllt wurden. An der Außenseite wurden mächtige Eichenstämme mit Abständen von etwa 150 cm aufgestellt, die man an ihrer Unterseite bis zu 2 m tief im Boden verankert hatte. Den Zwischenraum bildeten Steinlagen in Trockenmauertechnik, an die oben eine Brustwehr aus Holz anschloss.
Archäologische Forschungen
Seit 20 Jahren führt die Universität Wien in Schwarzenbach archäologische Ausgrabungen durch VIAS-Vienna Institute for Archaeological Science durch, wobei neben der prähistorische Befestigungsanlage auch mehrere Gebäudestrukturen von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden untersucht wurden. Eine archäologische Prospektion mit Magnetik erbrachte eine Art Röntgenbild des Bodens, die zeigt, dass beinahe die gesamte Innenfläche der keltischen Stadt mit Häusern verbaut war. In der Stadt befanden sich Händler- und Handwerkerviertel genauso, wie die Anwesen von Kriegern und vornehmen Adeligen. Es konnten Werkstattbereiche angegraben werden, wo man wahrscheinlich Glasperlen und Bronzegegenstände angefertigt hat. Bereits im Jahr 1994 konnte ein Teilbereich der Befestigungsanlage mit hinten angesetztem Wehrgang rekonstruiert werden.
Keltenfest Schwarzenbach
Seit dem Jahre 1998 veranstaltet die Gemeinde Schwarzenbach jedes Jahr zur Sommersonnenwende im Juni ein dreitägiges Keltenfest, wo keltisches Handwerk, keltische Musik und keltische Schmankerln geboten werden. In den letzten Jahren fanden jeweils über 8000 Besucher den Weg in die keltische Stadt.
Keltisches Freilichtmuseum Schwarzenbach
Die Gemeinde hat das VIAS-Vienna Institute for Archaeological Science mit der Errichtung eines archäologischen Freilichtbereichs betraut, auf dem in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt ein Teil der keltischen Stadt wieder aufgebaut wurde. Die Präsentation des keltischen Lebens wurde so in Schwarzenbach zur Dauereinrichtung gemacht.
Voraussetzungen für einen wissenschaftlich vertretbaren Wiederaufbau waren ein intensives Studium der eisenzeitlichen Werkzeugkultur, sowie der archäologischen Baubefunde. Ziel bei der Errichtung der Anlage war eine weitestgehende Authentizität. Die Rekonstruktion basieren auf den archäologischen Grabungsergebnissen.Es wurden nur solche Baumaterialien verwendet, die auch in der Eisenzeit zur Verfügung standen. Der Einsatz der verschiedenen Holzarten sowie der Holzverbindungstechniken und die dabei entstehenden Arbeitsspuren orientieren sich ander eisenzeitlichen Holztechnologie.
Im August 2002 konnte mit der Errichtung des geplanten archäologischen Freilichtmuseums begonnen werden. Im Frühjahr 2005 wurde dieses fertiggestellt. Das Arbeitsteam unter der Leitung von Mag. Wolfgang Lobisser setzte sich aus Archäologen und aus Holzhandwerkern zusammen.
Das Freilichtmuseum soll Einblicke in das Alltagsleben der eisenzeitlichen Bevölkerung im 2. und 1. Jahrhundert v.Chr. vermitteln, wobei neben der Architektur der Gebäude die ökonomischen Grundlagen der Menschen dieser Zeit und das Handwerk in einer keltischen Stadt im Vordergrund stehen sollen.
Die archäologischen Befunde
Die Architekturmodelle wurden vor allem nach archäologischen Befunden von Schwarzenbach konzipiert und errichtet. Die Rekonstruktion der Holzbauteile und Holzverbindungstechniken orientiert sich auch an inneralpinen Befunden. Bei den Aufbauarbeiten kamen in erster Linie nachgeschmiedete keltische Werkzeuge zum Einsatz. Als Vorbilder dienten hier vor allem Werkzeugfunde des Ostalpenraums. Soweit diese aus der Archäologie bekannt und argumentierbar sind, sollen im Inneren der Gebäude originalgetreue Nachbildungen von Gegenständen und Gerätschaften einen Eindruck von den Wohn- und Arbeitsverhältnissen vermitteln.
Die rekonstruierten Gebäude
Das Freilichtgelände am Burgberg in Schwarzenbach besteht letztlich aus sieben Gebäuden, sowie aus mehreren anderen rekonstruierten Objekten wie Garten- und Zaunanlagen. Diese erlauben dem Besucher Einblicke in verschiedene Bereiche des keltischen Lebensalltags. Es wurden unter anderem ein Handwerkerhaus in Pfostenbautechnik mit Riegelwänden aus Eichenholz, ein Speicherbau mit Blockwänden auf Schwellbalken in Fichte, eine Töpferhütte auf Pfosten und ein großes Wohnhaus in Ständerbautechnik mit Riegelwänden aus Nadelholz errichtet. Des Weiteren ein Backhaus, ein Stallgebäude, sowie ein weiteres Wohnhaus, in dem Kinder- und Jugendgruppen, aber auch Erwachsenen, die Möglichkeit geboten wird, im Freilichtmuseum zu übernachten.
Eröffnung des keltischen Freilichtmuseums
Am Sonntag den 19. 6. 2005 wurde das archäologische Freilichtmuseum in einem feierlichen Akt offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Keltische Krieger, Händler und Handwerker besiedelten dabei die keltische Stadt. Die Gemeinde Schwarzenbach hat mit dieser Freilichtanlage ein Ausflugsziel geschaffen, das für Gäste und Einheimische in gleicher Weise eine Bereicherung des Freizeit- und Bildungsangebots für die ganze Familie mit sich bringt.
Keltische Werkzeuge aus Roheisen
Für die praktischen Arbeiten wurden Werkzeuge nach keltischen Vorbildern angefertigt. Das Werkzeugspektrum umfaßte große Tüllenäxte, Lappendechsel, Ziehmesser, Löffelbohrer, Stemmbeitel, Zugsägen und Reißnadeln. Im Zuge der Arbeiten wollten die Wissenschaftler herausfinden, welche Werkzeugtypen sich für bestimmte Arbeiten besonders gut eigneten bzw. wo die Grenzen der Leistungsfähigkeit des keltischen Holzhandwerks lagen. Die Vorstellung, durch praktische Experimente mehr über das Leben in der Vergangenheit zu erfahren ist beinahe so alt wie die Archäologie selbst und wird als Experimentelle Archäologie bezeichnet.